Gründen ist Silber, Übernehmen ist Gold: Die Renaissance der Nachfolge

von Max Mayerhofer, Fractional CTO & Investor

Gründen ist Silber, Übernehmen ist Gold: Die Renaissance der Nachfolge

Der Mythos des Gründers, der in der Garage bei Null anfängt, dominiert unsere Wirtschaftskultur. Doch die statistische Realität ist ernüchternd: Bis zu 90 % der Startups scheitern im frühen Stadium.¹ In der Übernahme und Digitalisierung bestehender Mittelständler liegt hingegen eine Chancen-Asymmetrie, die wir gezielt nutzen.

Deutschland steht vor dem größten Vermögenstransfer seiner Geschichte. Laut aktuellen Daten des KfW-Nachfolgemonitorings streben bis Ende 2026 rund 190.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolgelösung an.²

Die Dramatik dabei: Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wächst. Während sich Investoren um unbewiesene KI-Startups reißen, drohen kerngesunden "Hidden Champions" mangels Nachfolge die stille Liquidation. Wir halten das für eine der größten ökonomischen Fehlallokationen unserer Zeit.

"Product-Market-Fit" ist bereits inklusive

Warum ist das Risiko bei einer Neugründung so hoch? Weil man gleichzeitig drei Variablen beweisen muss: Dass das Produkt funktioniert, dass es einen Markt gibt und dass man damit Geld verdienen kann.

Bei einer Unternehmensnachfolge – im Fachjargon oft als "Entrepreneurship through Acquisition" (ETA) bezeichnet – sind diese Variablen bereits gelöst. Studien der Stanford GSB zeigen, dass diese Asset-Klasse historisch gesehen oft stabilere Renditen liefert als klassisches Venture Capital.³

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Der Kunde existiert und bezahlt Rechnungen.
  • Das Produkt ist marktreif, zertifiziert und im Einsatz.
  • Der Mitarbeiterstamm verfügt über jahrelanges, implizites Wissen.

Wir kaufen keine Pitch-Decks und Hoffnungen. Wir investieren in bewiesene Cashflows und echte Substanz.

Der Hebel: Tradition trifft auf digitale DNA

Unsere Strategie ist simpel, aber in der Exekution anspruchsvoll: Wir suchen Unternehmen mit einem starken "Burggraben" (Marktstellung), die technologisch jedoch noch Potenziale brachliegen haben.

Hier entfaltet sich unser Ansatz am stärksten. Wir bringen das Beste aus zwei Welten zusammen: Das Kapital erfahrener Investoren gepaart mit dem Tatendrang junger Unternehmer. Wir treten nicht als passive Geldgeber auf, sondern als Architekten der Transformation:

  1. Prozesse: Wir ersetzen das Faxgerät durch API-Schnittstellen und heben Effizienzpotenziale, die das IfM Bonn als zentralen Hebel für die Zukunftsfähigkeit des Mittelstands identifiziert.⁴
  2. Vertrieb: Wir ergänzen den Handschlag-Außendienst durch automatisiertes Inbound-Marketing.
  3. Kultur: Wir bewahren die Werte des ehrbaren Kaufmanns, führen aber agile Entscheidungsprozesse ein.

Keine Heuschrecken, sondern Gärtner

In der öffentlichen Wahrnehmung haben Finanzinvestoren oft den Ruf von "Cost-Cuttern". Davon distanzieren wir uns entschieden. Unser Ziel ist nicht der schnelle "Flip" (Verkauf) durch Zerschlagung.

Unser Ziel ist der Generationen-Sprung. Wir wollen das Lebenswerk des Gründers so umbauen, dass es auch in einer digitalen Welt wettbewerbsfähig bleibt. Das erfordert Demut vor dem Bestehenden. Wer versucht, einem schwäbischen Handwerksbetrieb "Silicon Valley Kultur" überzustülpen, wird scheitern. Wer aber dem Meister digitale Werkzeuge gibt, um seine exzellente Arbeit besser zu machen, wird gewinnen.

Diese Symbiose – junge Unternehmerenergie trifft auf mittelständische Substanz – ist der Schlüssel, um den Standort Deutschland langfristig zu sichern.

Fazit

Für unternehmerische Talente ist die Botschaft klar: Sie müssen das Rad nicht neu erfinden. Das nächste große Ding existiert vielleicht schon seit 30 Jahren in einem Gewerbegebiet in Brandenburg oder Bayern – es wartet nur darauf, wachgeküsst zu werden.

Lassen Sie uns aufhören, nur nach dem "Next Big Thing" zu suchen. Kümmern wir uns um das "Current Big Thing": Den deutschen Mittelstand.


Quellen & Weiterführende Daten

  1. Startup Genome Report / Cambridge Associates: Die Ausfallrate von Startups im Frühstadium wird branchenübergreifend auf ca. 90 % geschätzt ("Fail Fast"-Quote).
  2. KfW Research (2024/2025): Nachfolgemonitoring Mittelstand. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau beziffert die Anzahl der übergabereifen Unternehmen bis 2026 auf ca. 190.000, wobei der Fachkräftemangel die Suche nach Nachfolgern erschwert.
  3. Stanford Graduate School of Business (GSB): Search Fund Study. Die regelmäßig erscheinenden Studien der Stanford GSB belegen für Search Funds (Unternehmenskauf durch junge Manager) historisch hohe interne Zinsfüße (IRR) im Vergleich zu traditionellen Anlageklassen.
  4. Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn: Studien zur Digitalisierung im Mittelstand zeigen regelmäßig, dass die Nachfolge oft der "Trigger-Punkt" für notwendige digitale Transformationen ist.

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